So denken die Jugendorganisationen der Parteien – die JuLis

Ich habe in der vergangenen Nacht alle Jugendorganisationen der Parteien in meiner Umgebung angeschrieben. Jusos, Junge Union, JuLis und Grüne Jugend. Die Linke scheint in Braunschweig noch keine Jugendorganisation zu haben, falls doch, bitte mir mitteilen, damit ich das korrigieren kann.

Im Speziellen habe ich die einzelnen Jugendorganisationen gefragt, wie sie zu den von Frau von der Leyen eingeführten Internetsperren stehen. Die Schnellsten, die geantwortet haben, waren die JuLis, also die Jungen Liberalen. Deren Antwort, könnt ihr im Nachfolgenden lesen:

“Hallo Alexander,

Vorweg: Am Donnerstag findet um 19.30Uhr im Havanna (Holwedestraße 1, 38118
Braunschweig, http://www.havanna-bs.de) unser monatlicher Stammtisch statt.
Vielleicht hast Du ja Lust mal bei uns vorbei zu kommen.

Nun zu Deiner Frage.

Grundsätzlich lehnen wir die von Frau von der Leyen geplanten Maßnahmen zur
Internetzensur ab.

Dies hat vielfältige Gründe. Einerseits ist die geplante technische
Umsetzung höchst fragwürdig und andererseits ist genauso fragwürdig, ob mit
diesen Maßnahmen der Missbrauch von Kindern in irgendeiner Form wirksam
bekämpft, verhindert bzw. zumindest behindert werden kann.

Da ich Informatiker bin ist die technische Umsetzung für mich persönlich
recht gut nachvollziehbar. Hier geht es um die “einfachste” Form von
Internetsperren – realisiert mittels Umleitung von URLs per
DNS-Umschreibung. Sprich jeder Provider der “mitmacht” bekommt vom BKA eine
Liste mit URLs die auf die STOP-Seite umgeleitet werden sollen.

Diese Art der “Sperre” lässt sich jedoch leicht umgehen – einfach andere
DNS-Server eintragen und schon ist das erledigt. DNS-Server ohne “Sperre”
gibt es genügend, kostenlos. Frau von der Leyen argumentiert nun, dass ca.
80% der Internetnutzer nicht wüssten wie man so eine Sperre umgeht, d.h. 20%
hätten genug “Fachwissen” und der größte Teil dieser 20% wären sowieso
“Pädokriminelle” mit “Erfahrung beim umgehen solcher Sperren”.

Diese Argumentation zieht in keinster Weise, da jede halbwegs technisch
versierte Person so eine Sperre umgehen kann.

Laut Frau von der Leyen reicht es ihr aber wenn die restlichen 80% durch die
Sperren abgehalten werden. Es soll vermieden werden das diese Leute zufällig
oder aus Neugier auf eine solche Seite gelangen, da ansonsten die Gefahr des
“anfixens” bestünde. Wir halten es für mehr als an den Haaren herbeigezogen
das irgendwer durch das Betrachten solcher Bilder plötzlich pädophile
Neigungen entwickelt. Hier geht es nicht um Drogenkonsum. Bei den meisten
Menschen dürften solche Bilder eher Übelkeit und Unmut auslösen! Pädophile
werden so jedenfalls nicht “entstehen” und auch nicht von ihren kriminellen
Handlungen abgehalten werden.

Weiterhin ist das Ziel doch die Bekämpfung der Kinderpornographie. Durch
diese Art von Sperren wird jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit kein
einziges Kind vor Missbrauch geschützt, denn diese Seiten gibt es doch
weiterhin im Internet – es müssen nur die unwirksamen technischen Sperren
umgangen werden.

Viel wichtiger wäre es solche Seite aktiv (!) zu bekämpfen, abzuschalten und
die Macher strafrechtlich zu verfolgen. Die Aktion einer
Kinderschutzorganisation (Carechild) hat gerade erst gezeigt, dass dies fast
problemlos möglich ist.

Zitat von:
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Lee
re–/artikel/135867

“Sie verwendete dazu 20 Adressen aus der im Netz aufgetauchten dänischen
Sperrliste. 17 der Seiten waren in den USA gehostet, jeweils eine in den
Niederlanden, Südkorea und England. Carechild schrieb an die
Abuse-Mail-Adressen der Hostingprovider und bat um Entfernung der Inhalte.
Das Ergebnis: acht US-amerikanische Provider haben die Domains innerhalb der
ersten drei Stunden nach Versand der Mitteilung abgeschaltet. Innerhalb
eines Tages waren 16 Adressen nicht mehr erreichbar, bei drei Websites
teilte der jeweilige Provider laut Carechild glaubhaft mit, dass die Inhalte
nach augenscheinlicher Prüfung keine Gesetze verletzen oder der Betreiber
für die abgebildeten Personen entsprechende Altersnachweise vorlegen
konnte.”

Durch die Sperren wird eine aktive Bekämpfung aber geradezu verhindert.
Immer nach dem Motto “Aus dem Augen, aus dem Sinn”. In skandinavischen
Ländern gibt es übrigens solche Sperren schon und dort hat sich genau das
bestätigt.

Auch im bestehenden Gesetzentwurf gibt es unserer Meinung nach noch sehr
deutliche Lücken. Fangen wir mal mit dem BKA an das die Liste erstellt ..
wer kontrolliert das? Wer kontrolliert das die Seite auch wirklich
Kinderpornographisch sind? Wie können Seiten von der Sperrliste wieder
entfernt werden? Was passiert wenn versehentlich Seiten betroffen sind die
gar nichts mit der Straftat zu tun hatten – z.B. weil ein Hacker auf einem
Webserver unbemerkt solche kriminellen Inhalte abgelegt hat? Fragen, Fragen,
Fragen … von Frau von der Leyen gibt es darauf jedoch keine Antworten.

Und schlussendlich sehen wir diese Art der Internetzensur nur als
Wegbereiter für eine vollständige Zensur des Internets. Bereits jetzt melden
ganz verschiedene “Interessengemeinschaften” ihre Ansprüche an. Wenn der
Damm erstmal gebrochen ist stehen der Zensur alle Türen und Tore offen.

Und das gilt es unserer Meinung nach zu verhindern.

Selbstverständlich halten auch wir die Bekämpfung der Kinderpornographie,
gerade auch im Internet, für unabdingbar. Jedoch gibt es dafür wie bereits
angedeutet weitaus wirkungsvollere Mittel und Methoden – nämlich genau
solche die auch aktiven Schutz für Kinder bedeuten.

Viele Grüße, Eike


Junge Liberale e.V.
Kreisverband Braunschweig
Stellvertretender Vorsitzender ”

Halten wir also fest, die JuLis sind der gleichen Meinung wie wir. Aber wie ich ja vorher schon berichtet habe, haben die Grünen und die FDP den Internetsperren eine klare Absage erteilt. Von daher, war diese Antwort in etwa zu erwarten. Ich persönlich bin gespannt, ob, wann und vor allem welche Antwort ich von den Jusos und der Jungen Union bekomme. Immerhin sind dies die Parteien, die dem Gesetz zustimmen.

3 Responses to “So denken die Jugendorganisationen der Parteien – die JuLis”


  1. 1 dot tilde dot

    solidbraunschweig@wordpress.com

    kenne aber den genauen organisatorischen zusammenhang mit der Partei die linke nicht.

    .~.

  2. 2 dot tilde dot

    ach quatsch, kein @ sondern natürlich ein punkt. soll ein url sein, keine mailadresse.

    .~.

  3. 3 Alex

    cool, vielen dank. ja, die sind wirklich der jugendverband.

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