
Da hat Amazon ja anscheinend echt gut Werbung für seinen Kindle-Start in Deutschland gemacht. Allerlei Blogs in meinem Feedreader und auch Twitterer haben/wollen einen Kindle.
Ja, ich find das Ding auch cool, glaube ich zumindest, obwohl ich noch keinen in der Hand hatte. Zumindest finde ich die Vorstellung mehrere Bücher dabeizuhaben, die fast nix wiegen super. Aber: Ich möchte trotzdem noch die Bücher als Gegenstand haben. Warum? Ich weiß nicht, ob euch schon einmal ein Buch in die Badewanne gefallen ist, oder ob ein Glas mit Flüssigkeit umgekippt und auf ein Buch gelaufen ist. Ich möchte so etwas nicht mit einem 139 Euro teuren elektronischen Gegenstand ausprobieren, bin mir aber recht sicher, dass das nicht so gut ist. Außerdem haben Bücher für mich auch immer einen bestimmten Erinnerungswert, die mich an einen Ort oder ein bestimmtes Ereignis erinnern (Harry Potter in englisch habe ich das erste Mal in Spanien gelesen; Rainbow Six habe ich vom 24.12. auf den 25.12. durchgelesen etc.) Und: Wer möchte seinen Kindern nur einen eBook-Reader in die Hand drücken, anstatt eines Kinderbuches? Ein Buch, dass sich vielleicht auch noch mehrmals aufklappen lässt, in verschiedene Richtungen? Reine eBook-Reader bieten solche Möglichkeiten nicht, denn (a) kostet jede Animation Energie und (b) können die Displays, meines Wissens nach, gar keine Bewegung darstellen. Wenn ich so etwas möchte, kaufe ich mir ein iPad.
Also was machen? Yannick schlägt vor, dass man über den Barcode des Buches die digitale Version umsonst oder für einen kleinen Aufpreis bekommt. Finde ich eine super Sache. Ist seit längerer Zeit auch bei vielen Schallplatten der Fall. Ich habe nämlich ehrlich gesagt keine Lust, für die Print-Ausgabe 20 Euro auszugeben, nur um dann für die digitale Version noch einmal 10 oder mehr Geldeinheiten zu bezahlen. 2-3 Euro wären für mich okay, allerdings käme auch eine andere Lösung in Betracht:
Ich beziehe mich jetzt nur auf Amazon, da dies in meinen Augen der führende Anbieter von eBooks werden wird, ähnlich wie Apple und MP3′s.
Die digitale Version umsonst über den Barcode zu verteilen, wäre großer Quatsch, da man diese viel zu einfach fälschen/kopieren kann. Außerdem wäre beim Wiederverkauf der Print-Ausgabe die digitale Version immer noch in der Hand des Besitzers. Man kann sich jetzt streiten, ob das ok ist oder nicht. Für die Barcode-Variante wäre also ein extra Aufpreis angebracht, damit dort keine Verluste eingefahren werden, wenn jemand den Barcode online stellt.
Amazon könnte jedoch zu jedem Buch einen Code liefern, mit dem man die digitale Version laden und mit dem eigenen Amazon-Konto fest verknüpfen kann. Meinetwegen wird auch automatisch beim Kauf der Print-Ausgabe das Buch mit dem Konto verknüpft und man hat das eBook schon im Kindle und kann dort anfangen zu lesen, bevor überhaupt die Print-Ausgabe mit der Post angekommen ist. Wenn man dann das Buch verkaufen möchte, kann man sich entscheiden, ob man die eBook-Version behalten möchte oder nicht.
Behält man sie, so bleibt die Verknüpfung mit dem eigenen Amazon-Konto weiterhin bestehen und man verkauft einfach die Print-Ausgabe. Möchte man nun analoge und digitale Version verkaufen, so kann man die Verknüpfung mit dem eigenen Konto auflösen, erhält einen neuen Code und kann diesen an den Käufer übermitteln. Amazon könnte dann z.B. per Fernlöschung das Buch vom eigenen Kindle löschen. Genauso könnte man auch nur die die digitale Version verkaufen und das “reale” Buch behalten.
Problematisch wird das ganze jetzt nur wieder, weil man einen geeigneten DRM-Mechanismus bräuchte, um sicherzustellen, dass verkaufte eBooks auch wirklich beim alten Besitzer gelöscht sind und sich keine unerlaubten Kopien erstellen lassen. Aber ja, so wird es am Anfang nun mal sein müssen und mir fällt sonst auch keine Lösung ein, wie man diese Kontrolle erreichen könnte.
In die Kategorie “Utopie” fällt wohl der Gedanke, dass sich alle Anbieter von eBooks auf einen Standard einigen und man auch Bücher auf verschiedenen Reader nutzen kann, aber vielleicht kommen wir in ein paar Jahren dahin, wer weiß.
Ich werde jetzt erst einmal die nächsten Wochen abwarten und schauen, was es so für weitere Erfahrungsberichte zu lesen gibt. Vielleicht bin ich dann auch irgendwann stolzer Besitzer eines eBook-Readers.